Und jetzt? So könnte es weitergehen…

Der Durchgangsbahnhof kommt. Was nun?

TEXT Bruno Affentranger
Lesezeit 2 Minuten

Im Jahr 2038 – allerspätestens 2049 – wird das Jahrhundertwerk Durchgangsbahnhof Luzern fertiggestellt sein. Dann wird zu sehen sein, ob all die Pläne, die bis 2027 entstehen müssen, funktionieren. Am 1. Januar dieses Jahres hat der Gesamtplaner der SBB seine Arbeit angetreten. Massimo Guglielmetti hat eine Herkulesarbeit vor sich, aber auch die Mittel dazu. Die Stadtplanerin von Luzern, Deborah Arnold, verfügt zwar über ein kleines Team und viel weniger Ressourcen, dennoch wird ihr Beitrag als Vorlage für Politik und Bevölkerung nicht weniger wichtig sein. Immerhin werden in zentraler Lage acht Hektaren Land frei, was 16 Fussballfeldern entspricht. Die Stadt kann sich nach den Pionierjahren von 1850 bis 1914 in ihrer Mitte nochmals neu erfinden.

Was wir uns ab sofort und in den kommenden Jahren vornehmen, wird lange nachhallen. Im Kopf beginnt jetzt der Bau der Stadt der Kinder und Enkel. Dabei muss klar sein: Zwar projektieren wir das Zentrum und die Stadt, aber wir denken dabei an eine ganze Region mit ihrem Einzugsgebiet, das bis in den Kanton Uri reicht. Wenn auf dem Bahnhofplatz in Luzerns ein Hindernis auftaucht, wirkt dieses über die filigranen Zusammenhänge von Mobilität und Kommunikation schnell zum Beispiel bis nach Malters, Küssnacht oder Stans störend. Dieses Netz wird bis 2040 noch feiner und sensibler.

Doch wie soll man das Vorgehen richtig anpacken? 
Was gibt es zu bedenken? Es existieren verschiedene Wege, doch auch einige Punkte, die nicht vergessen werden dürfen:

  • Zunächst gilt es, zwangslos Ideen darüber zusammenzutragen, was im Zentrum künftig stattfinden soll. Sie sind in dieser frühen Phase inspirierend, aber unverbindlich. Wir denken, müssen aber noch nichts.
  • Müssen müssen die Planer. Sie bilden und präsentieren Zukunftsszenarien, auf deren Grundlagen diskutiert werden kann. Extreme sollten vorkommen, denn sind sie einmal diskutiert und ausgeschlossen, bleibt der freie Blick für das Machbare.
  • Ebenfalls von Planerseite stammen Simulationen, welche die Szenarien und Massnahmen quantitativ abbilden werden und die Auswirkungen für die Zentralschweiz und eventuell darüber hinaus nachvollziehbar machen. Gute Datengrundlagen sind für Analysen notwendig. Derzeit existieren diese in vielen Fällen nicht.
  • Der Stadtrat von Luzern muss die Führung übernehmen. Dies schnell und klar erkennbar. Er muss über eine Lands- oder besser Stadtgemeinde  Einigkeit über die Zukunft der Stadt, ihrer Aufgaben, ihrer Funktionen und ihrer Rolle in und mit der Region erzielen. Externe Prozessbegleitung ersetzt dabei eigene Arbeit nicht. Die Ideen – der Gestaltungswille – sollten aus dem Innern heraus wachsen. Ohne eine Vision von dieser Stadtregion geht es nicht.
  • Ein entstandener Masterplan wird partikuläre Interessen einbinden. Dem Gesamtvorhaben zuwiderlaufende, meist aus Marketinggründen lancierte politische Vorstösse können immer am Masterplan Luzerns gemessen und beurteilt werden. Mit anderen Worten: Ein Vertrag über das Zentrum steht am Ende der Planung.

Und was tun wir bis dahin?
Wie mit dem Nadelöhr an der heutigen Einfahrt in den Bahnhof umgehen, wenn die Zugfrequenzen wachsen? Was, wenn wir uns darauf einigen, das Zentrum von motorisiertem Individualverkehr freizuhalten? Wie soll das zum Beispiel ohne Spange Nord gehen, die politisch und gesellschaftlich, wahrscheinlich auch planerisch in der derzeitigen Form keine Chancen hat?

Es gibt Denkarbeit.