So funktioniert der Neustart der Spangen- diskussion

Die «Spange Mitte» ist ein Vorschlag, der auf dem heute bestehenden Autobahn- und Strassennetz in der Region Luzern aufbaut und der die Erschliessung der Stadtquartiere garantiert. Er entlastet bestehende Netze und macht das Zentrum Luzerns autofrei.

 

TEXT Bruno Affentranger
Lesezeit 7 Minuten

Die Idee des Luzerner Architektenpaars Karin und Martin Simmen hat etwas Bestechendes. Es fällt einem sofort auf, dass sie die Innenstadt Luzerns vom motorisierten Individualverkehr (MIV) entlastet. Das ist ein Zeichen der Zeit, ein Trend, der sich, flankiert von ökologischen Richtlinien und technologischen Entwicklungen, durchsetzen wird. Viele Städte gehen aktuell diesen Weg. Nur wie würde das genau in diesem Fall aussehen und welche Auswirkungen hätte dieses «Projekt Neustart»? Auf spangemitte.ch sind die Details ersichtlich. Wir fassen hier zusammen und zeigen vor allem die Veränderungen der Verkehrsbelastungen gegenüber heute.

1 | Alpenstrasse | Löwenstrasse | Zürichstrasse
Die Alpenstrasse wird für den motorisierten Individualverkehr gesperrt. Sie dient dem Bus- und Veloverkehr in beiden Fahrtrichtungen. Dafür übernimmt die Löwenstrasse zwischen Luzernerhof und Löwenplatz den MIV im Gegenverkehr. Sie wird dafür vom Busverkehr befreit. Insgesamt führt dies zu einer Zunahme der Bewegungen. Der Radstreifen wird aufgehoben. Der Veloverkehr wird auf die beruhigte Alpenstrasse verschoben. Die Zürichstrassse erhält keine neue Funktion. Es ist davon auszugehen, dass sich die Verkehrsbelastung gegenüber heute nicht verändert.

2 | Bundesstrasse | Moosstrasse
Das Projekt bewirkt auf der Bundesstrasse sowie auf dem Bundesplatz eine erhebliche Reduktion des MIV, weil der Durchgangsverkehr über die Seebrückenachse entfällt. Auf der Moosstrasse hat das Vorhaben eine Mehrbelastung zur Folge, weil die Bewegungen zwischen dem Raum Tribschen und dem rechten Stadtufer nicht mehr über die Zentralstrasse, sondern über Obergrundstrasse/Hirschengraben erfolgen. Eine erneute Öffnung der Abzweigung von der Pilatusstrasse zum Europaplatz wirkt der Verkehrszunahme auf der Moosstrasse entgegen.

3 | Haldenstrasse
Auf der Haldenstrasse entsteht viel weniger MIV. Private Motorfahrzeuge mit Ziel oder Quelle linkes Stadtufer und Autobahn benützen den parallel zur Haldenstrasse führenden zweispurigen Tunnel. Die Haldenstrasse ist im Westen nur noch mit der Achse Löwenstrasse/Zürichstrasse verbunden. Die Pförtneranlage bei der Hausermatte kann aufgehoben werden, weil der neue Tunnel einen ungehinderten Abfluss ermöglicht, der heute nicht gegeben ist.

4 | Hirschengraben
uch auf dem Strassenzug Hallwilerweg–Unterer Hirschengraben reduziert sich der MIV. Durchgehende Busspuren würden in beide Richtungen möglich. Dieser Stras­senzug wird infolge der Sperrung der Seebrückenachse von den Bewegungen zwischen dem Luzernerhof und dem Kasernenplatz via Pilatusplatz befreit. Dagegen entsteht eine neue Belastung durch den Ersatz dieses Verkehrsflusses, welcher jetzt über den Kasernenplatz und nicht mehr über die Pilatusstrasse geführt wird. Reduktion und Mehrbelastung heben sich in etwa auf. Trotzdem entsteht eine Reduktion gegenüber dem heutigen Zustand, und zwar deshalb, weil das Vorhaben via Sonnenbergtunnel zwischen den Räumen Kriens/Luzern Süd und dem rechten Stadtufer eine zusätzliche Verbindung schafft. Die Achse Obergrundstrasse/Hirschengraben über den Kasernenplatz an die Stadtautobahn muss nicht mehr befahren werden. Man darf davon ausgehen, dass die ungehinderte und schnellere Fahrt im Tunnel der oberirdischen, die an neun Lichtsignalanlagen vorbeiführt, vorgezogen wird.

5 | Kasernenplatz
Beim Kasernenplatz reduzieren sich die Verkehrsbewegungen auf der Autobahnaus- und -einfahrt. Gleiches gilt für die Militärstrasse (siehe Punkt 4). Die Gütschstrasse und auf einer kurzen Strecke die Baselstrasse erfahren je in einer Richtung eine Mehrbelastung und in der Gegenrichtung eine Entlastung. Die Belastung der Baselstrasse ab der Sentikreuzung verändert sich nicht.

6 | Obergrundstrasse
Auf dem Strassenzug Obergrund kommt es zwischen Kupferhammer und Pilatusplatz abschnittsweise zu einer erheblichen Reduktion des MIV. Durchgehende Busspuren in beide Richtungen werden möglich. Die Reduktion gegenüber dem heutigen Zustand ist darauf zurückzuführen, dass das Projekt via Sonnenbergtunnel zwischen den Räumen Kriens/Luzern Süd und dem rechten Stadtufer eine neue Verbindung schafft. Es wird nicht mehr notwendig, die Achse Obergrundstrasse/Hirschengraben zur Stadtautobahn zu benutzen.

7 | Pilatusstrasse
Auf der Pilatusstrasse sinkt der MIV stark. Die Belastung wird auf den Bus- und Quartierverkehr reduziert. Damit werden Bus­spuren in beide Richtungen möglich. Um die Moosstrasse als Zubringer zum Europaplatz zu entlasten, ist es sinnvoll, die Erschliessung des Europaplatzes von der Pilatusstrasse her zu ermöglichen und das heute geltende Regime rückgängig zu machen.

8 | Schweizerhofquai
Die Achse Seebrücke–Schweizerhofquai wird für den MIV gesperrt. Sie dient dem Bus, Velo- und Langsamverkehr in beide Fahrtrichtungen. Private Motorfahrzeuge mit Ziel oder Quelle linkes Stadtufer und Autobahn benützen anstelle der Seebrückenachse die unterirdisch geführte Spange Mitte. Die bestehenden Parkings bleiben erreichbar. Sie könnten auch unterirdisch an das Projekt angeschlossen werden. Die bekannten neuen Parking-Projekte werden nicht verunmöglicht. Der Seetunnel des Durchgangsbahnhof-Projekts kann auf tieferem Niveau die Spange Mitte kreuzen.

9 | Zentralstrasse
Auf dem Strassenzug Zentralstrasse und auf dem Bundesplatz nimmt der MIV stark ab, weil der Durchgangsverkehr über die Seebrückenachse entfällt.

Future Talk – Das ist Zukunftsmusik
Noch liegt kein detailliert ausgearbeitetes Projekt vor, es würde die Grenzen des Privaten sprengen. Die Arbeit geht weiter. Wer daran teilhaben oder die Idee des gedanklichen Neustarts aufnehmen will, findet mehr unter spangemitte.ch

Weitere Artikel zum Thema