Metaverse – mehr als nur eine Spielerei

Was, wenn ein digitaler Raum und die physische Realität zusammenwirken? Es entsteht ein Metaversum. Die Metaversen sind einer der wichtigsten Zukunftstrends.

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Kürzlich hat die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft EY ihren ersten Mitarbeitenden in einem Metaversum angeheuert. Was erstaunlich einfach und routiniert klingt, ist eine mittlere Sensation. Es bedeutet nichts weniger, als dass sich Personal mit digitalen Zwillingen in einer Kunstwelt bewegt und agiert – und dass offenbar grosse, international tätige Unternehmen ihre Personalsuche nun auch in die digitalen Welten ausgeweitet haben. Von Konsumentinnen und Konsumenten hat man schon gehört, aber von Personalsuchenden und -findenden eher nicht. Dass zum Beispiel bloss digital existierende Gucci-Taschen in digitalen Verkaufsshops oder Bratwürste in virtuellen Fanstadien für das Stillen der Gelüste digitaler Zwillinge über die Verkaufs-tresen gehen, ist spätestens seit der Coronazeit bekannt. Diese hatte die Echtzeit gelähmt, umso mehr startete das neue, kommende Netz durch. Der nächste grosse Trend der Digitalisierung.

Doch was versteht man darunter wirklich? Metaverse heisst der englische Ausdruck für Metaversum, und er fasst zusammen, was gemeint ist: Man kreuze den Begriff meta (steht für «jenseits von») mit Universum, der Gesamtheit von Raum, Zeit, Energie und aller Materie. Genau wie für die Universen gilt auch für das Metaversum, dass es eine Vielzahl davon geben kann. Metaversen also. Digital, und doch mit der physisch erfahrbaren Welt verbunden. Dies funktioniert dank Virtual-Reality-Technologie und allem was diese an Soft- und Hardware mit sich bringt.

Zuckerbergs Initiative
Im Juli vor einem Jahr kündigte Mark Zuckerberg an, sich mit seinem Unternehmen Facebook auf die Entwicklung eines Metaversums konzentrieren zu wollen. Das schlug weltweit Wellen. Noch höher gingen diese, als drei Monate später Facebook in Meta Plattforms umbenannt und damit klar wurde, dass Zuckerberg keinen Scherz gemacht hatte. Seither ist die Euphorie riesengross. Die Tech-Branche feiert weltweit das nächste grosse Ding, the next big thing. Und die Metaversen, von denen es bereits einige in ihren Anfangsstadien gibt, gewinnen massiv an wirtschaftlicher Bedeutung.

Nicht nur Facebook investiert Milliarden an Dollars in die Entwicklung. Vielen Unternehmen wollen vorneweg und mehr als nur dabei sein und besetzen offene Aktionsfelder in den neuen Universen der digitalen-echten Realität. Mittels NFTs (Non-Fungible Tokens, kryptografisch eindeutige, unteilbare, unersetzbare und überprüfbare Token, die auf Blockchain-Technologie basieren) kann man beispielsweise bereits seit mehreren Jahren virtuelles Land erwerben. Oder man baut ganze Stadien in eines der Metaversen, so wie zum Beispiel Anfang Jahr beim Australian Open, einem der vier grossen Tennisturniere der Welt, geschehen. Digitale Zwillinge der Akteure setzten die Filzbälle ins Feld, und wettwillige Fans konnten daraufsetzen, ob der Ball gleich auf jenes Feld fallen würde, das sie zuvor für viel Geld gekauft hatten.

Womit klar ist, wo auch in den Metaversen die treibenden Kräfte vermutlich wirken werden: Gamification, die spielerische Form des Tuns, sei an dieser Stelle erwähnt. Es ist kein Zufall, dass verschiedene der grossen globalen Spieleanbieter an ihren eigenen Metaversen arbeiten. Shoppen, spielen, Marketing – es liegt nahe, dass dies beschleunigende Faktoren für das Entstehen von Metaversen sein werden.

Input – dann erleben
Am Digitaltag 2022 der Zentralschweiz wird das Metaverse seinen Platz haben. Im Verkehrshaus, wo sich die Zentral-schweizer Entscheiderinnen und Entscheider aus Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Bildung am kommenden Donnerstag treffen werden, wird man nicht um dieses Thema herumkommen. Dominik Lämmler, Agency und Ecosystem Partner von Meta Switzerland, wird als Keynote-Speaker Nebel lichten. Die vielen anschlies­senden Gespräche und weitergehenden Präsentationen und Erfahrungen werden direkt daran anschlies­sen.

Mehr am Folgetag
Wer am 20. Oktober im geschlossenen Kreis nicht dabei sein kann, muss indes nicht auf Informationen verzichten. Mehr darüber bieten wir bereits am Tag danach auf www.digitalzentralschweiz.ch. Zwar nicht ein Metaversum, sondern vorerst eine Website, aber der Besuch wird sich lohnen.

 

Genug Theorie – so kann es gehen

Metaverse sind keine blosse Spinnerei. Sie bieten schon heute Geschäftsmöglichkeiten.Das Interview mit Rico Fehr, EY, beweist dies.

STADTSICHT: Rico Fehr, man hört, dass Ihr Unternehmen EY bereits mit Erfolg im Metaverse aktiv ist. Können Sie das bestätigen?
Wir sind seit einiger Zeit im Metaverse – genauer gesagt im Decentraland – unterwegs. Unser Hauptfokus liegt auf Kundenanlässen und Recruiting Events. Zwischenzeitlich haben wir auch Leute rekrutiert, die wir ursprünglich im Metaverse kennen gelernt haben.

Wie können wir uns eine derartige Personalsuche im Metaverse vorstellen?
Das unterscheidet sich nicht gross von analogen Aktivitäten in der realen Welt. Nur, dass hier digitale Zwillinge am Werk sind. Sie müssen sich vorstellen: Wir, beziehungsweise unser Avatar, führen ein Anstellungsgespräch mit dem Avatar des Job-Interessenten im Metaverse oder eben im Decentraland. Wichtig dabei ist, dass man sich, beziehungsweise den Avatar, gegen-seitig identifizieren kann.

Sind Sie selbst auch bereits im Metaverse aktiv?
Zwischenzeitlich habe ich meinen eigenen Avatar, mit welchem ich gelegentlich im Metaverse unterwegs bin. Wir haben aber unsere Spezialisten, die für die Erscheinung von EY im Metaverse verantwortlich sind.

Rico Fehr ist Partner und Regionenleiter Zentralschweiz bei EY, eines der führenden Wirtschafts- und Beratungsunternehmen.